Kündigungsgespräche vorbereiten: Der Grundstein für ein faires Gespräch

Ein Kündigungsgespräch führt niemand gern. Und doch gehört es zu den Aufgaben, die eine Führungsposition mit sich bringt – so unangenehm sie auch ist.

Viele Führungskräfte hoffen, dass die richtigen Worte im entscheidenden Moment einfach kommen. Ein gefährlicher Trugschluss. Gerade weil die Situation für beide Seiten emotional ist, entscheidet die Vorbereitung darüber, ob Sie das Gespräch souverän steuern oder ob es Sie überrollt.


Die gute Nachricht:

Sie können sich auf die meisten Klippen vorbereiten, bevor Sie überhaupt im Raum sitzen.
Sicherheit im Kündigungsgespräch hat nichts mit Mut zu tun. Sie entsteht vorher, am Schreibtisch, durch das, was Sie schon geklärt haben, bevor die Tür aufgeht.

Genau darum geht es in diesem ersten Teil unserer Reihe:

die Basis, auf der ein faires und klares Kündigungsgespräch überhaupt erst möglich wird.

Kurz für Eilige

Klären Sie zuerst die Fakten:
Um welche Art der Kündigung handelt es sich, und ist die Begründung wasserdicht?

Treffen Sie vorab sechs Entscheidungen:

Freistellung, Resturlaub, Zeitpunkt, Gesprächsführung, Informationsweg, Unterstützungsangebot.

Bereiten Sie sich auf die Frage vor: „Warum ich?“ . Legen Sie für sich fest, wie weit Sie diese Diskussion führen.

Kündigen ist Chefsache. Delegieren Sie dieses Gespräch nicht an die Personalabteilung.

Erst die Fakten klären, dann das Gespräch planen

Bevor Sie über Formulierungen nachdenken, brauchen Sie Klarheit über die harten Fakten.

Um welche Art Kündigung geht es?
Liegt der Grund im Verhalten oder in der Leistung der Person?
Ist die Stelle schlicht weggefallen?

Bei personenbedingten Kündigungen entscheidet eine gute Dokumentation der Vorgeschichte darüber, ob das Gespräch überhaupt zum Ziel führt.
Ohne sie bleibt am Ende nur der Aufhebungsvertrag.

Klären Sie außerdem:
Gibt es eine Abfindung?
Kommt eine Freistellung infrage?
Wäre eine externe Outplacement-Beratung sinnvoll, die den Übergang für die betroffene Person erleichtert?

Sechs Entscheidungen, die vor dem Gespräch feststehen sollten

Ein souveränes Gespräch beginnt lange vor dem eigentlichen Termin – mit ein paar klaren Entscheidungen:


Freistellung:
Arbeitet die Person bis zum Fristende weiter, oder wird sie freigestellt?


Resturlaub:
Wie wird mit offenem Urlaub und Überstunden verfahren?


Zeitpunkt:
Ein Gespräch zu Wochenbeginn gibt der betroffenen Person Zeit, sich rechtlich beraten zu lassen.
Vermeiden Sie den letzten Tag vor einem Urlaub oder einer längeren Abwesenheit.


Gesprächsführung:
Führen Sie das Gespräch allein oder gemeinsam mit HR?


Informationsweg:
Persönlich, telefonisch, oder mit vorheriger Terminvereinbarung?


Unterstützung:
Welche Hilfe bei der beruflichen Neuorientierung können Sie oder Ihr Unternehmen anbieten?

Warum Sie dieses Gespräch selbst führen sollten

Kündigen ist Chefsache – egal wie unangenehm.

Sie sind die Vertrauensperson Ihres Teams, und genau das bleiben Sie auch in diesem Moment.

Wird die Aufgabe an die Personalabteilung delegiert, verstärkt das für die betroffene Person oft das Gefühl, nur eine Nummer zu sein.
Wenn es Ihnen gelingt, den Prozess menschlich und klar zu gestalten, bleibt das Selbstwertgefühl der gekündigten Person gewahrt.

Das verbleibende Team merkt genau, wie die Person den Raum verlässt. Daran entscheidet sich, ob am Montag Gerüchte kursieren oder Ruhe einkehrt.

„Warum ich?“ Die Frage, auf die Sie eine Antwort brauchen

Diese Frage kommt fast immer.

Bei einer Sozialauswahl können Sie sich auf die rechtliche Lage berufen.
Lassen Sie sich bewusst nicht auf eine Diskussion über die Auswahlkriterien ein, sonst verhandeln Sie am Ende die Kündigung selbst neu.

Geht es um Leistungsunterschiede, ist mehr Fingerspitzengefühl gefragt:
Die Begründung muss ehrlich sein, ohne zu verletzen – und rechtlich so sauber, dass sie nicht anfechtbar wird.

Fazit

Eine gute Vorbereitung nimmt Ihnen nicht die Schwere des Gesprächs, aber sie nimmt Ihnen die Unsicherheit.

Ihre Unsicherheit ist es, die ein Kündigungsgespräch am ehesten entgleisen lässt.

Wenn die Fakten geklärt sind, die Entscheidungen stehen, wissen Sie was auf Sie zukommt, Im Gespräch selbst benötigen Sie keine einzige Sekunde mehr für Überlegungen wie „Was mache ich jetzt“.

Diese Zeit haben Sie schon vorher investiert.

Im nächsten Teil dieser Reihe geht es genau darum:
die richtigen Worte für den Moment, in dem die Nachricht ausgesprochen wird.

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