Warum die meisten Bewerbungen schon vor der Abgabe scheitern
Vor mir liegt ein Ordner. Fünfzig Bewerbungen, ordentlich abgeheftet, fünfzig Absagen obendrauf.
Meine Kundin schiebt ihn über den Tisch und sagt nur: „Ich verstehe es nicht.“
Ich verstehe es.
Hundert Bewerbungen. Keine einzige Zusage.
Genau das bringt jeder fünfte Neukunde mit, wenn er das erste Mal bei mir sitzt. Rechnen Sie kurz nach, wie viele Abende und Wochenenden darin stecken.
Was diese Fälle verbindet, ist selten fehlende Qualifikation. Es ist ein Denkfehler, der teuer wird:
die Annahme, mehr Bewerbungen bedeuten mehr Chancen.
Das Gegenteil ist der Fall. Wer diesen Denkfehler erkennt und korrigiert, bekommt etwas Wertvolleres als eine Zusage:
sein Selbstvertrauen zurück und einen Job, bei dem drei Dinge stimmen:
die Aufgaben, die Werte des Unternehmens und die eigene Begeisterung für das, was dort entsteht.
Der Preis der Bewerbungsflut
Jede Absage ist ein kleiner Nadelstich. Der erste tut kaum weh. Der zwanzigste auch nicht mehr wirklich:
man hat sich abgestumpft.
Aber fünfzig Nadelstiche an derselben Stelle hinterlassen eine Entzündung. Und diese Entzündung merkt man dem nächsten Anschreiben an, auch wenn einem selbst das nicht bewusst ist. Verzweiflung hat einen Tonfall. Personalverantwortliche lesen ihn heraus, noch bevor sie den Lebenslauf öffnen.
Die gute Nachricht:
Sie können aus diesem Kreislauf aussteigen, und zwar bevor er beginnt.
Warum tägliches Bewerben der falsche Kurs ist
Es fühlt sich produktiv an, jeden Tag drei neue Stellen zu finden und loszuschicken.
Gerade wenn die Kündigung im Raum steht oder Arbeitslosigkeit droht, will man Tempo machen. Verständlich. Aber Tempo ist hier der falsche Hebel.
Keine Stelle wird in vierzehn Tagen besetzt.
Die Jobsuche lässt sich nicht wie ein Projekt durchplanen und auch nicht erzwingen:
die andere Seite entscheidet in ihrem eigenen Tempo.
Was Sie brauchen, ist kein volles Segel, sondern ein klarer Kurs.
Reservieren Sie sich ein bis zwei halbe Tage für die Suche. Nicht mehr. Schalten Sie die tägliche Job-Mail ab.
An den anderen Tagen:
Netzwerk pflegen, Sport, frische Luft, alles, was Ihr Selbstvertrauen stabil hält. Das ist keine Pause von der Jobsuche. Das ist ein Teil davon.
Was im Bewerbungsprozess wirklich passiert
Manche Unternehmen antworten gar nicht. Andere antworten so schnell und automatisiert, dass klar ist:
Hier hat niemand hingeschaut.
Oft durchsucht eine KI den Lebenslauf nach bestimmten Begriffen. Fehlen sie, kommt die Absage automatisch, ganz ohne menschlichen Blick.
Nehmen Sie das nicht persönlich. Aber Sie nutzen es:
indem Sie sich gezielter bewerben, statt öfter.
Klasse statt Masse: der einzige erfolgreiche Kurs
Hier ist meine klare Haltung, nach zwanzig Jahren Bewerbungsbegleitung:
Nur wer sich gezielt bewirbt, kommt an. Alles andere kostet Zeit, Nerven und am Ende das Selbstvertrauen.
Bevor Sie eine Stellenausschreibung ernst nehmen, machen Sie den ehrlichen Test:
Geben Sie der Stelle eine Note von eins bis zehn. Unter einer Neun lohnt sich die Mühe nicht.
Dann schauen Sie sich das Unternehmen an:
die Website, die Sprache, die Bilder, die Produkte. Würden Sie heute Abend einem Freund oder einer Freundin begeistert davon erzählen?
Suchen Sie nach Presseartikeln, nach Bewertungen auf Kununu und Google. Erst wenn auch das Unternehmen eine Neun oder Zehn verdient, lohnt sich das Anschreiben.
Das kostet mehr Zeit pro Bewerbung. Aber Sie schreiben fünf statt fünfzig, und jede davon mit echter Überzeugung. Das kommt beim Empfänger Ihrer Bewerbung sofort an.
Anschreiben und Lebenslauf: Klarheit statt Verstecken
Gut lesbar, klar gegliedert, ohne Fachjargon, den Ihr Gegenüber nicht kennt:
Das ist die halbe Miete.
Die Schriftgröße auf Zwerggröße zu schrauben, damit alles auf eine Seite passt? Keine gute Idee.
Und dann die Versuchung, an der eigenen Geschichte zu drehen:
Führungsverantwortung kleinreden, weil die Stelle eine Stufe niedriger ist.
Erfahrung aufblähen, weil die Stelle eine Stufe höher ist.
Beides bringt am Ende nichts außer einem Lebenslauf, der nicht mehr nach Ihnen klingt.
Zeigen Sie, wer Sie sind und was Sie können.
Selbstbewusst, nicht reißerisch. Im Gespräch kommt ohnehin die Stunde der Wahrheit.
Zwischen Kündigung und neuem Job
Das ist die Phase, in der viele den Kompass verlieren.
Das Selbstvertrauen ist im Keller, die Decke fällt einem auf den Kopf. Was jetzt hilft:
eine Liste Ihrer Erfolge, schwarz auf weiß. Fragen Sie Menschen, die Sie gut kennen, was sie an Ihnen schätzen.
Manchmal hilft auch ein Ehrenamt, um wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren.
Warum ein Coaching hier den Unterschied macht
Was ich in zwanzig Jahren gelernt habe:
Die Menschen, die am schnellsten wieder einen guten Job finden, sind nicht die, die am meisten schreiben.
Es sind die, die sich vorher klar werden über ihren eigenen Kurs, ihre Stärken, ihren Wert.
Der Unterschied zeigt sich darin, wer am Ende wen aussucht.
Klienten, die diesen Weg gegangen sind, werden zu fast jedem Gespräch eingeladen, meistens mit hundertprozentiger Quote.
Sie sitzen selbstbewusst auf der anderen Seite des Tisches:
Sie prüfen das Unternehmen, nicht das Unternehmen sie.
Das hat nichts mit besseren Bewerbungsvorlagen zu tun.
Es hat damit zu tun, dass Sie Ihren eigenen Kompass wiederfinden, bevor Sie das nächste Anschreiben tippen.
Eine Kundin hatte einen Geschenkgutschein Monate unbenutzt in der Schublade liegen, bevor sie den ersten Termin überhaupt gebucht hat.
Nach einem einzigen Gespräch waren Wünsche wieder da, an die sie sich selbst nicht mehr erinnert hatte.
Stellen Sie sich vor, zwei Jobangebote liegen vor Ihnen.
Das eine Unternehmen zahlt ein besseres Gehalt.
Beim anderen passen die Aufgaben zu dem, was Sie wirklich können.
Die Werte des Unternehmens stimmen mit Ihren eigenen überein.
Beim Lesen der Produktbeschreibung empfinden Sie echtes Interesse.
Nach dem Coaching wissen Sie, für welches Angebot Sie sich entscheiden – und warum.
Und jemand sagt Ihnen unmissverständlich:
Sie sind kein Bittsteller. Sie machen ein einmaliges Angebot.
Das Ergebnis ist nicht „mehr Bewerbungen“. Es ist eine, die passt.
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Haben Sie auch schon sehr viele Bewerbungen geschrieben?
Wie geht es Ihnen damit?
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