{"id":1471,"date":"2015-08-24T06:00:38","date_gmt":"2015-08-24T06:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/judith-eggers.eu\/?p=1471"},"modified":"2015-08-24T06:00:38","modified_gmt":"2015-08-24T06:00:38","slug":"rueckkehrgespraeche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging25.judith-eggers.de\/index.php\/2015\/08\/24\/rueckkehrgespraeche\/","title":{"rendered":"R\u00fcckkehrgespr\u00e4che gut vorbereiten und erfolgreich f\u00fchren"},"content":{"rendered":"<h2 id=\"t-1634744042391\">Was ist ein R\u00fcckkehrgespr\u00e4ch?<\/h2>\n<p>Um genau zu sein ist es ein Kranken-R\u00fcckkehrgespr\u00e4ch. Wenn ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin nach l\u00e4ngerer Krankheit wieder in das Unternehmen zur\u00fcckkommt, wird in manchen Unternehmen ein sogenanntes R\u00fcckkehrgespr\u00e4ch durchgef\u00fchrt. F\u00fcr diese Art von Gespr\u00e4ch gibt es keine gesetzliche Grundlage, der oder die Betroffene muss diesem Gespr\u00e4ch zustimmen. Auch ein Betriebsrat muss zustimmen, wenn ein Unternehmen Kranken-R\u00fcckkehrgespr\u00e4che einf\u00fchren m\u00f6chte. Bei F\u00fchrungskr\u00e4ften h\u00e4lt sich die Begeisterung f\u00fcr R\u00fcckkehrgespr\u00e4che in Grenzen, sie werden nicht gern gef\u00fchrt. Das &nbsp;Beispiel aus meiner Coachingpraxis zeigt, wie Sie ein R\u00fcckkehrgespr\u00e4ch erfolgreich f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mein Coachee arbeitet in einem mittelgro\u00dfen Unternehmen und leitet ein elfk\u00f6pfiges Team. Der Krankenstand ist im Branchenvergleich recht hoch. Die Personalleitung hat daher entschieden, dass zuk\u00fcnftig mit kranken Mitarbeitern sogenannte R\u00fcckkehrgespr\u00e4che gef\u00fchrt werden sollen. Alle F\u00fchrungskr\u00e4fte haben einen Leitfaden erhalten. Weitere Informationen oder Schulungen gab es dazu nicht. Der Coachee sollte zum ersten Mal ein R\u00fcckkehrgespr\u00e4ch mit einem Mitarbeiter f\u00fchren und wollte sich darauf m\u00f6glichst gut vorbereiten.&nbsp;<\/p>\n<h2 id=\"t-1634744042392\">Misstrauen trifft Unsicherheit<\/h2>\n<p>R\u00fcckkehrgespr\u00e4che sind ein heikles Thema \u2013 f\u00fcr beide Seiten. Besch\u00e4ftigte stehen diesen Gespr\u00e4chen oft misstrauisch gegen\u00fcber. Sie fragen sich, welches Motiv dahintersteht und ob der Arbeitgeber nach einem Grund sucht, sie loszuwerden. F\u00fchrungskr\u00e4fte sind h\u00e4ufig unsicher, was sie \u00fcberhaupt fragen d\u00fcrfen und was sie wissen sollten. Deshalb sind f\u00fcr die Vorbereitung eines solchen Gespr\u00e4chs drei Fragen wichtig:<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"\">Wie geht das Unternehmen mit Krankheit um?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"\">Wie ist das Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen F\u00fchrungskraft und dem Mitarbeiter\/der Mitarbeiterin?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"\">Was geschieht, wenn die Erkrankung mit den Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz zusammenh\u00e4ngt?t<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<h2 id=\"t-1634744042393\">Krankheitskultur<\/h2>\n<p>Jedes Unternehmen hat seine eigene Krankheitskultur: In der einen Firma wird erwartet und vorgelebt, dass man auch mit dem Kopf unterm Arm zur Arbeit kommt. &nbsp;In einem anderen Betrieb wird niemand schr\u00e4g angesehen, weil er bei einer starken Erk\u00e4ltung zuhause bleibt und sich auskuriert. Seit 2004 sind Unternehmen verpflichtet Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ein Betriebliches Eingliederungs-Management (BEM) nach \u00a7 84 Absatz 2 Sozialgesetzbuch IX anzubieten, wenn sie l\u00e4nger oder h\u00e4ufiger krank sind. Diese Fragen sollte sich eine F\u00fchrungskraft vor dem Gespr\u00e4ch ehrlich beantworten.<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"\">Wie sieht es mit der Krankheitskultur in dem Betrieb aus?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"\">Werden erkrankte Besch\u00e4ftigte stigmatisiert?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"\">Ist dem Arbeitgeber daran gelegen, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wohlf\u00fchlen?<\/span><\/li>\n<li><span>Wird erwartet, dass sich die Menschen dem Arbeitsplatz anpassen? Oder kann ein Arbeitsplatz f\u00fcr Besch\u00e4ftigte mit gesundheitlichen Einschr\u00e4nkungen angepasst werden?<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Fragen sollten Sie sich zur Vorbereitung auf das Gespr\u00e4ch ehrlich beantworten.<\/p>\n<h2 id=\"t-1634744042394\">Vertrauensverh\u00e4ltnis<\/h2>\n<p>Entscheidend f\u00fcr ein erfolgreiches R\u00fcckkehrgespr\u00e4ch ist auch, ob der erkrankte Mitarbeiter Ihnen vertraut und Sie als glaubw\u00fcrdig wahrnimmt. Wenn das Betriebsklima im Team gut ist, wissen F\u00fchrungskr\u00e4fte in der Regel, wem es wie geht und warum jemand krank ist. Dann kann ein R\u00fcckkehrgespr\u00e4ch f\u00fcr beide Seiten offen, respektvoll und konstruktiv sein. Wenn die Stimmung im Team oder im Unternehmen dagegen eher angstbesetzt ist, werden sich Besch\u00e4ftigte in einem solchen Gespr\u00e4ch auch nicht \u00f6ffnen. Auch diese Fragen sollte die F\u00fchrungskraft selbstkritisch f\u00fcr sich beantworten:<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"\">Wie stehe ich zu dem erkrankten Mitarbeiter?&nbsp;<\/span><\/li>\n<li><span style=\"\">Wie ist das pers\u00f6nliche Verh\u00e4ltnis?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"\">Was wei\u00df ich \u00fcber seine Erkrankung? Wei\u00df ich, seit wann er\/sie krank ist und wer aus dem Team zu ihm\/ihr Kontakt hat?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"\">Hat der Mitarbeiter\/ die Mitarbeiterin Vertrauen zu mir seiner F\u00fchrungskraft? Wie hat sich dies in der Vergangenheit gezeigt?<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<h2 id=\"t-1634744042395\">Das R\u00fcckkehrgespr\u00e4ch f\u00fchren<\/h2>\n<p>Hat sich der Mitarbeiter \/ die Mitarbeiterin beim Sport das Bein gebrochen und ist der Bruch vollst\u00e4ndig ausgeheilt, muss sicher kein Gespr\u00e4ch gef\u00fchrt werden. Es handelt sich um eine einmalige und nachvollziehbare Erkrankung, die mit Sicherheit nichts mit dem Unternehmen zu tun hat.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal: Besch\u00e4ftigte sind <strong>nicht<\/strong> verpflichtet, dem Arbeitgeber die \u00e4rztliche Diagnose mitzuteilen. Gleichzeitig ist der Arbeitgeber berechtigt zu erfahren, ob die Erkrankung im direkten Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz steht. z.B. Stress, hoher Druck, hohe Arbeitsbelastungen, Arbeitszeiten, Mobbing oder anderes. Beim Gespr\u00e4ch ist Fingerspitzengef\u00fchl gefragt. So k\u00f6nnen Sie als F\u00fchrungskraft vorgehen:<\/p>\n<h3 id=\"t-1634744042396\">Begr\u00fc\u00dfung<\/h3>\n<p>Schaffen Sie eine freundliche Atmosph\u00e4re, die dazu beitr\u00e4gt, dass der Mitarbeiter sich \u00f6ffnet. Begr\u00fc\u00dfen Sie den R\u00fcckkehrenden, berichten Sie, was w\u00e4hrend seiner Abwesenheit wichtig war. Holen Sie ihn wieder ins Boot. Fragen Sie wie es ihm geht, ob er\/sie sich wieder fit f\u00fchlt. Bohren Sie nicht nach der Diagnose. Wenn Sie eine gute Beziehung zu dem Erkrankten haben, wird er Ihnen wahrscheinlich mitteilen, woran er\/sie erkrankt war.<\/p>\n<h3 id=\"t-1634744042397\">Der Grund des Gespr\u00e4chs<\/h3>\n<p>Erkl\u00e4ren Sie dem R\u00fcckkehrenden warum Sie dieses besondere Mitarbeitergespr\u00e4ch f\u00fchren. Z.B. dass Ihnen aufgefallen ist, dass er\/sie bereits zum wiederholten Male ausgefallen ist. Schildern Sie, wie sich das auf den Arbeitsalltag ausgewirkt hat. Achten Sie auf positive Formulierungen \u2013 es sollen keine Vorw\u00fcrfe daraus werden. Sie wollen seine\/ihre Arbeitskraft und Expertise. Damit er\/sie wieder motiviert an die Arbeit geht, k\u00f6nnten Sie ihm\/ihr sagen, dass er\/sie bereits vermisst wurde, Kunden nachgefragt haben und \u00c4hnliches.<\/p>\n<h3 id=\"t-1634744042398\">Ursachenforschung<\/h3>\n<p>Oft spielen auch private Probleme bei Erkrankungen eine Rolle. H\u00f6ren Sie zu, was Ihnen Ihre Mitarbeiter sagen, nicht nur beim R\u00fcckkehrgespr\u00e4ch, sondern auch beim Jahresgespr\u00e4ch oder wann immer sich die Gelegenheit ergibt. Besch\u00e4ftigte, die sich verstanden f\u00fchlen bauen gute Bindung zum Unternehmen aufbauen, anders als Mitarbeiter \/ Mitarbeiterinnen, die sich nur wie eine Nummer f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Fragen Sie in dem Gespr\u00e4ch nach m\u00f6glichen Ursachen am Arbeitsplatz. Stellen Sie klar, dass sie das Arbeitsumfeld oder die Arbeitsbedingungen ver\u00e4ndern werden, sofern dies sinnvoll und machbar ist. Ein h\u00f6henverstellbarer Schreibtisch, eine Ver\u00e4nderung der Arbeitsaufgaben kann sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Vielleicht gibt es einen Konflikt im Team \/ am Arbeitsplatz, den Sie bisher nicht erkannt haben. Diesen Konflikt zu kl\u00e4ren und aus der Welt zu schaffen, wird bei alle Betroffenen zur Gesundheit beitragen.<\/p>\n<h3 id=\"t-1634744042399\">Abschluss<\/h3>\n<p>Treffen Sie genaue Aussagen dar\u00fcber, wie Sie beide zuk\u00fcnftig derartige Krankheitsausf\u00e4lle verhindern wollen: Ist der Mitarbeiter\/die Mitarbeiterin beispielsweise alleinerziehend, k\u00f6nnte eine Umstellung auf Teilzeit eine L\u00f6sung sein.<\/p>\n<p>Gibt es tats\u00e4chlich Probleme im Arbeitsumfeld, sind Sie als F\u00fchrungskraft gefordert. Jetzt Beweisen Sie, dass Sie bereit sind Ver\u00e4nderungen anzusto\u00dfen und dass Ihnen die Gesundheit Ihres Teams am Herzen liegt.<\/p>\n<h2 id=\"t-1634744042400\">Zusammenhang zwischen Erkrankung und Arbeit<\/h2>\n<p>Der Zusammenhang zwischen Arbeit und Gesundheit sollte jedoch nicht nur in R\u00fcckkehrgespr\u00e4chen thematisiert werden. Gibt es einen festen Termin, an dem Sie mit Ihrem Team \u00fcber Probleme am Arbeitsplatz sprechen? \u00dcber den \u00c4rger mit Lieferanten und Kunden, den zunehmenden Termindruck, die unzureichenden Arbeitsmittel, die Konflikte mit der Nachbarabteilung, die Sorge vor K\u00fcndigungen? Wenn das Thema \u201eGesundheit und Arbeit\u201c regelm\u00e4\u00dfig auf Ihrer Agenda steht, tragen Sie dazu bei, den Krankenstand zu senken und die Leistungsbereitschaft Ihres Teams zu erhalten.<\/p>\n<h2 style=\"\" id=\"t-1634744042401\">Die andere Seite<\/h2>\n<p>Eine Anmerkung zum Schluss: R\u00fcckkehrgespr\u00e4che k\u00f6nnen sehr demotivierend sein. Deshalb es ist wichtig, dieses Instrument sorgf\u00e4ltig einzusetzen. Ich kenne aus meiner Praxis als Coach auch die andere Seite. R\u00fcckkehrgespr\u00e4che, die schematisch abgearbeitet werden, weil die Personalableitung sie erwartet, \u00e4ndern nichts. Eine F\u00fchrungskraft, die ansonsten desinteressiert wirkt und dann so ein Gespr\u00e4che entsprechend f\u00fchrt, wird von den Besch\u00e4ftigten weder ernstgenommen noch kann sie etwas bewirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: rgb(163, 87, 118);\">Wie sind Ihre Erfahrungen mit R\u00fcckkehrgespr\u00e4chen?<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: rgb(163, 87, 118);\">Haben Sie schon einmal eins gef\u00fchrt? Oder waren Sie dazu eingeladen?<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: rgb(12, 17, 21);\">Sie m\u00f6chten souver\u00e4n Mitarbeitergespr\u00e4che f\u00fchren?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: rgb(12, 17, 21);\">Lassen Sie uns miteinander reden.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist ein R\u00fcckkehrgespr\u00e4ch? Um genau zu sein ist es ein Kranken-R\u00fcckkehrgespr\u00e4ch. Wenn ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin nach l\u00e4ngerer Krankheit wieder in das Unternehmen zur\u00fcckkommt, wird in manchen Unternehmen ein sogenanntes R\u00fcckkehrgespr\u00e4ch durchgef\u00fchrt. F\u00fcr diese Art von Gespr\u00e4ch gibt es keine gesetzliche Grundlage, der oder die Betroffene muss diesem Gespr\u00e4ch zustimmen. 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